Bierernst?!

Die Sache mit ... Halloween.

Es hat ein bisschen nachgelassen, das Gemecker rund um Halloween. Nicht, dass die vor einigen Jahren aus Übersee nach Europa importierte Festnacht mittlerweile weniger Zulauf hätte. Es ist im Gegenteil wohl eher so, dass sich Halloween in der Alten Welt bereits so fest etabliert hat, dass Widerstand ziemlich zwecklos erscheint.

Dennoch gibt es sie noch, die Stimmen aus Politik, Gesellschaft und Religion, die das europäische Brauchtum buchstäblich gegen den Ausverkauf verteidigen wollen - und hinter Halloween einfach nur eine riesige Vermarktungsmaschinerie sehen. Da wird dann gerne mal das Christkind als mahnendes Beispiel genannt, zunehmend verdrängt vom Weihnachtsmann, zu dem die amerikanische Ur-Kapitalisten von Coca Cola den Nikolaus umgemünzt und obendrein auch noch markengetreu rot angemalt hätten.  

Ja, Halloween, wir übertreiben nicht, ist für manche der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen und unser schönes europäisches Abendland mithin zum Untergang in einer Flut neumodischer Plastik-Traditionen verdammt...

Längst auch bei uns zuhause: zu Halloween dekoriertes Haus in Deutschland.
(Foto: Axel Hindemith)

Aber, wer nur etwa genauer hinschaut, wird bald erkennen: so einfach ist das alles nicht mit dem Kulturpessimismus und der Globalisierungskritik. Denn: wer sich angesichts hochsommerlicher Aussentemperaturen in Shorts und schweissnassem T-Shirt den Kopf über wankende Kistentürme mit Marzipankartoffeln und Lebkuchen kratzt, die die Wege zur Supermarktkasse spätestens drei Monate vor den Weihnachstagen blockieren, der muss in Halloween einen eher nebenerwerblichen Zweig der Konsumgüter-Industrie erkennen. 

Vielleicht dabei aber noch viel wichtiger: Halloween ist keineswegs eine amerikanische Erfindung. Sondern auch in den USA ein importierter Feiertag.

Mitgebracht wurde er von den vielen irischen Einwanderern, die vor allem ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Heimat in Richtung der noch jungen Vereinigten Staaten verließen, um den seinerzeit katastrophalen Lebensbedingungen auf der grünen Insel zu entgehen.

Als "All hallow's eve" wurde die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November gefeiert. Und das wiederrum heißt übersetzt überhaupt nichts anderes als "Der Abend vor Allerheiligen" - ein Feiertag, der ja auch uns Deutschen wohl bekannt ist und als christliches Hochfest hierzulande dem Gedenken an alle Heiligen dient. Man sieht also: die Wurzeln von Halloween stehen in engem Zusammenhang mit europäischen Fest-Traditionen. Und das endet keineswegs beim kalendarischen Anlass...

Nein, diese Menschen sind nicht verkleidet. Das trug man in Irland Mitte des 19. Jahrhunderts einfach so, auch wenn nicht gerade Halloween war. War es aber, auf diesem Gemälde von Daniel Maclise (1806-1870)

Ein wesentlicher Bestandteil der Halloween-Feiern sind seit jeher Verkleidungen, wobei Motive aus Spukgeschichten und Sagen, heute aber natürlich auch vermehrt aus bekannten Grusel- und Horrorfilmen beliebt sind. Vor allem Kinder sind es, die sich in den USA und Kanada am Abend des 31. Oktober als Feen, Fledermäuse, Geister, Hexen, Kürbisse, Skelette, Zombies, Tote, Monster, Mumien oder Vampire verkleiden, wobei der Fantasie hier kaum Grenzen gesetzt sind. Fast immer aber stehen die Kostümierungen im Zusammenhang mit dem mystischen Reich der Toten und Geister - was so manchem konservativen Geistlichen hierzulande so sauer aufstößt wie eingelegter Kürbis. 

Tatsächlich vermischen sich an Halloween christliche Traditionen ordentlich mit solchen, die die offiziellen Kirchen als "heidnisch" betrachten müssen. So steht das Totenfest zwar einerseits in engem Zusammenhang mit Allerseelen, dem christlichen Gedenktag für die Verstorbenen, der im Kalender direkt auf Allerheiligen folgt. Darin ist Halloween auch eng mit dem mexikanischen "Dia de los muertos" verwandt.

Seine Wurzeln aber liegen eher im vorchristlichen Ahnenkult begründet, wie er etwa bei den irisch-keltischen "Samhain-Festen" gepflegt wurde, die etwa zur gleichen Zeit begangen wurden wie unser heutiges Allerheiligen. Aber auch uralte Erntedank-Traditionen fließen in Halloween ein, was sich schon daran zeigt, dass schmuckvoll geschnitzte Kürbisse zu diesem Fest unverzichtbar sind.

Ganz schön was auf die Rübe gibt es auch in der Schweiz beim traditionellen "Räbechilbi".
(Foto: Michael L. Rieser)

Aber die Sache mit den Kürbissen hat - wie sollte es bei Iren anders sein - auch noch eine mythologische Herleitung: Der Sage nach lebte in Irland einst ein leidlicher bösartiger Zeitgenosse namens Jack Oldfield. Durch eine List war es diesem gelungen, den Teufel einzufangen - den er nur freilassen wollte, wenn er Jack zukünftig nicht mehr in die Quere kommen würde. Doch der Teufel erwies sich als ziemlich nachtragender Zeitgenosse und nahm seinen Erpresser prompt beim Wort: Nach seinem Ableben kam Jack aufgrund seiner üblen Taten selbstredend nicht in den Himmel - aber auch die Pforten der Hölle blieben ihm verschlossen, da er den Teufel hinters Licht geführt hatte. So musste "Jack O" als Untoter ziel- und heimatlos über die Erde wandern. Irgendwann erbarmte sich der Teufel und schenkte Jack eine Rübe und eine glühende Kohle, damit der Verlorene wenigstens mit einem kleinen Leitlicht durch das ewige Dunkel wandern könne.

Der beleuchtete Halloween-Kürbis war also ursprünglich eine beleuchtete Rübe. Da in den USA aber Kürbisse sehr viel weiter verbreitet waren als Rüben, wurde diese Tradition schließlich umgewandelt. Aufgrund der Legende vom bösen Jack wurden die ausgehöhlten Halloween-Kürbisse übrigens "Jack O’Lantern" genannt. Die Kürbisleuchten wurden früher vor Wohnhäusern aufgestellt, um mit ihren eingeschnitzen Fratzen böse Geister abzuwehren.

So ganz unbekannt ist uns in Deutschland auch dieser Brauch nicht: bei einer Vielzahl von Herbstfesten hierzlande kommen Rübenlichter zum Einsatz: etwa beim "Riabagoaschtarn" in Baden-Württemberg und im bayerischen Schwaben, beim "Rubebötz" in Thüringen, beim "Dickwurzmann" in Hessen oder beim saarländischen "Rummelbooze". Auch bei unseren Nachbarn werden bei Umzügen die "Rübengeister" beschworen, etwa beim "Moaz" in der österreichischen Steiermark oder dem "Räbechilbi" in der Schweiz. An Rhein und Mosel sind geschnitzte Rübenlaternen auch fester Bestandteil der St.-Martins-Umzüge.

Legt man sicher besser nicht mit an - sondern rückt gleich Süßes raus:
Schnappschuss von einem kleinen "Trick-or-Treater" aus Michigan.
(Foto: Don Scarborough)

Gemein ist all diesen Traditionen, dass zumeist Kinder und Jugendliche die Rübenköpfe durch die Gemeinden tragen - und dafür mit Süßigkeiten belohnt werden, genauso wie man es vom berühmten "Trick or Treat" in Nordamerika kennt. Dort ziehen die kleinen Halloween-Gespenster als "Plagegeister" von Tür zu Tür und bitten um Süßigkeiten ("Treats") - im Gegenzug für die zuckrige Gabe verschonen sie dann die jeweiligen Hausbewohner vor bösen Streichen ("Tricks").

Wie man sieht - viele Traditionen laufen im Halloween-Fest zusammen. Und es gibt durchaus eine Menge Gemeinsamkeiten mit altehrwührdigen Bräuchen aus unseren Längen- und Breitengraden. Wenig Grund also zur Aufregung, auch beim kunterbunten Totenfest gilt: Leben und leben lassen. Alles andere wäre ja auch gruselig.

Und am Ende hat dann auch der Osterhase herzlich wenig mit der Auferstehung Christi zu tun.
Ist aber eine ganz andere Geschichte.
Erzählen wir deshalb ein andermal...

Aventinus Eisbock steht auf dem Tisch eines modernem Restaurant

Unsere Empfehlung

Tja, da muss es dann schon, in drei Teufels Namen, etwas mit einer richtig schwarzen Seele und viel Magie sein:

Aventinus Eisbock

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